Wie zerstört man ein Traum-Duo vom WDR?

Thiel und Boerne auf Münsteraner Holzweg.

Wer war nochmal der Landrat? L A S  SE, genau. Und der Lude, wo kam der nochmal her. Ach ja, von dem Foto. Eine Frage nach einem bestimmten Hammer im Baumarkt wird zum Boomerang, der zu einem Fast-Rauswurf durch das Personal führt. Drei Comic-Hefte gibt es für 90 Euro. Ein Psychopath entert eine Tennishalle, vorbei an einer Hundertschaft von Spezialeinsatzkräften. Und ein etwa 45jähriger Hauptkommissar, seines Zeichens nicht gerade eine Sportskanone, klettert auf ein Krangerüst und dann raus auf den Ausleger, um dort mit einem Mann Wahrheiten auszutauschen. Die 80 Kilo des Mörders konnte er dann auch nur ca. 3 Sekunden vor dem Absturz bewahren. Alles klar? Sie sind noch dabei? Nein?

O.K., nochmal von vorne. Der neue Tatort aus Münster gleicht einem schlechten Remake. Die Frage stellt sich, wie lange die Schauspieler Axel Prahl und Co. diese neue Rollen-Interpretationen hinnehmen werden. Der Ton wird rüde zwischen den Protagonisten. Die sonst so verschmitzt liebenswürdige Assistentin von Thiel wird zur emotionslosen Law and Order Politesse, die kettenrauchende Staatsanwältin wird zur E-Zigaretten rauchenden Neben-Neben-Darstellerin, der nicht immer stromlinienförmige Kommissar versucht eben mal einen Landrat plump zu erpressen und der Gerichtsmediziner Boerne fährt jetzt endgültig auf absurde Protzschlitten ab. Als Zuschauer und Sympathisant des alten Münsteraner Tatorts reibt man sich nur die Augen, wenn die Polizei das Haus eines gesuchten Mörders in nur zwei Minuten durchsucht, um dann dessen Unschuld zu vermelden. Der Beobachtungsposten ist ein weißer Sportwagen-Exot in 50 Metern Entfernung vor dem Haus. Der Mörder steht am Fenster. Der Bulle untersucht in aller Seelenruhe in der menschenleeren Gegend ein Haus in Sichtweite des Mörders. Glücklicherweise hustet der Verdächtige, als er vor seinem Haus mit Thiel spricht. Ich bemerke, dass diese Kritik des Tatorts ebenso sprunghaft und verschachtelt daherkommt wie der gestrige Tatort. Verwirrung und Irritation. Ist es das, was die Macher, oder soll man besser sagen, die Redaktion des Senders, beabsichtigt. Vielleicht handelt es sich um einen neuen Fall von Korruption. Nein, nicht in dem Tatort-Streifen. In der Realität. Könnte es sein, dass der Redaktionsleiter des WDR von einem bayerischen Senderverantwortlichen ein dickes Kuvert zugesteckt bekommen hat, damit die ungeliebte Konkurrenz sich endlich auf das Niveau des Autorenteams des BR zubewegen möge? Wäre denkbar. Aber wie kommt es, das ein Grimme-Preisträger das Drehbuch geschrieben und dann verfilmt hat. Was ist eigentlich los mit dem Grimme-Preis? Nun ja, wenn eine Sendung wie Halligalli von Pro7 heutzutage zu den Preisträgern zählt, muss die Frage erlaubt sein. Zurück zum Fiasko des gestrigen Abends.

Ein Puff als Wohlfühl-Oase getarnt. Was ist daran eigentlich falsch? Falsch waren in jedem Fall die Szenen mit den Demonstranten. Klar, genau so sehen alle Demonstranten seit den 80ziger Jahren aus. Die Schilder auch. Deren Öko-Klamotten auch. Man hat den Eindruck, als hätte sich die Produktion eine Komparsentruppe bestellt, die in allen deutschen Fernsehfilmen immer dann vor der Kamera erscheint, wenn gegen irgendetwas demonstriert werden soll. Die Inszenierung bestach auch hier ein weiteres Mal durch ihre Detailgenauigkeit. Demonstranten sind wütend und dementsprechend müssen sie auch permanent grölen und pöbeln. Schön war auch, dass der Zuschauer keine Ahnung gewinnen konnte, wo diese Demo eigentlich stattgefunden hat. Die Kameraeinstellungen waren so geschickt gewählt, dass man den Eindruck hatte, die stehen da irgendwo sinnlos in der Landschaft. Die Szene, in der Thiel mit seiner Hose in die Türklinke einfädelt war süß gemeint. Aber muss man dann noch zwei,drei Einstellungen damit vergeuden, um seine Befreiung zu feiern? Muss man nicht! Waikiki. Ha! Ein Zuhälter namens Vogler – soso. Eine Nutte hysterisch schluchzend auf einem Wasserbett. Toll. Ein brutaler Mörder im Karnevals-Kostüm. Super. Was war da eigentlich mit der Casting Koryphäe Dhirberg los. Die sonst so treffsichere Agentur hat dieses Mal entweder keine Lust gehabt, oder ein zu eng gestricktes Briefing erhalten. Der Mörder als glückloser Hausverkäufer im Bademantel. Ein kleines Sensibelchen auf dem Ausleger eines Kranes sitzend und so ganz niedlich, menschlich. Der soll mit einem schwerem Gerät die Schädeldecke von drei Menschen zertrümmert haben? Jetzt werden sie sagen, aber das Sound-Design war schon gut. Das Sound-Design war sicher professionell hergestellt, aber was hilfts?

Einer geht noch!

Wir sollten bei aller Kritik  J.J. Liefers und A.Prahl noch eine weitere Chance gewähren. Schon alleine ob der vielen sehr unterhaltssamen Stunden, die sie uns in den vergangenen Jahren beschert haben. Sollte es allerdings weiter in die Richtung, wie gestern abend gehen, dann werden die beiden zwangsläufig ins Regal neben Batitsch und Lightmayr gestellt und dort verstauben. Das wäre dann allerdings schade.

Wer nicht nur am Tatort interessiert ist, sondern auch an Rasterleuchten für die Rasterfahndung der Kriminalpolizei findet weitere Infos hier.